8.11.2016 - Brief für die Menschen in Bad Schwartau

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Am 8.11.2016 versendete der VeSUW e.V. ein Schreiben bezüglich der Tieferlegung der Bahngleise im Bereich Bad Schwartau zwecks Lärmreduzierung an die folgenden Personen: Ministerpräsident Torsten Albig; Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker; Torsten Albig Minister Reinhard; Staatssekretär Dr. Frank Nägele,  Präsident des Landtags Schleswig-Holstein Klaus Schlie, Prof. Dr. Holger Gerth als Landesnaturschutzbeauftragter, MdB Bettina Hagedorn, MdB Ingo Gädechens, MdB Dr. Valerie Wilms, MdB Konstantin von Notz, MdL Hartmut Hamerich; MdL Sandra Redmann; Landesnaturschutzverband SH, Fraktionsvorsitzender CDU Daniel Günther und Dr. Rüdiger Grube Vorsitzender Deutsche Bahn AG. Per E-mail-ging die Information an Bürgermeister Dr. Uwe Brinkmann, Fraktionen CDU, FDP, Grüne, SPD und WBS in Bad Schwartau, sowie  Wolfgang Kubicki, Bernd Homfeld, Dr. Christoph Jessen und an  „Runde Tische Hinterlandanbindung“ über den Moderator Thomas Waldner.

Den Inhalt des Briefs finden hier als pdf-Datei zum Herunterladen oder Sie klicken hier:

 

Deutscher Bundestag
MdB Bettina Hagedorn, MdB Ingo Gaedechens,
MdB Dr. Valerie Wilms, MdB Dr. Konstantin von Notz
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Tieferlegung der Bahngleise in Bad Schwartau reduziert den extremen Lärm  

Sehr geehrte Frau Hagedorn, Frau Wilms, Herr Gaedechens und Herr von Notz,
Für Bad Schwartau wird das Planfeststellungsverfahren (PFV) für die Schienenhinterlandanbindung (HLA) noch vor der Landtagswahl 2017 eingeleitet. Die besonderen verkehrlichen Probleme der Stadt sind weder im Raumordnungsverfahren (ROV) noch von der Deutschen Bahn (DB) erkannt und gewürdigt worden. Bad Schwartau ist in den bisherigen Verfahren vom Land SH und der DB allein gelassen worden. Alle konstruktiven Vorschläge der Stadt sind  im ROV und im bisherigen Planfeststellungsverfahren (PFV) zum Fehmarnbelttunnel (FBT)  rundweg abgelehnt worden.  
Wenn jetzt nicht vor dem PFV endlich Korrekturen an der verfehlten Planung für Bad Schwartau vorgenommen werden, sind jahrelange ernsthafte Auseinandersetzungen bis zu Klagen vor Gericht zu erwarten.  
Das Land SH hat im ROV eine 55 km lange Neubautrasse als Umgehung der Bäder an der Küste (u.a. Scharbeutz, Timmendorfer Strand sowie Ratekau (kein Kurort)) beschlossen. Den Menschen in den Bädern an der Ostsee sind die hohen Belastungen des Schienenverkehrs mit dem extremen Lärm der Güterzüge nicht zuzumuten, lautete die entscheidende Begründung.
Völlig inakzeptabel ist aber, dass diese Feststellungen für Bad Schwartau nicht gelten sollen, obwohl die Stadt nicht nur MOORBAD und HEILBAD und KURORT ist, sondern sogar das „MARKENZEICHEN BAD“ führen darf.
Im Gegenteil: Die DB hält an ihrer Verkehrsverlagerung fest. Das bedeutet, dass zukünftig nicht nur der von 120 auf 172 ansteigende Personenzugverkehr durch Bad Schwartau fährt. Vielmehr wird zusätzlich auch der Güterzugverkehr mit 78 Zügen mit je bis zu 835 Metern Länge am Tage und auch nachts durch den Kurort Bad Schwartau donnern. Die DB will dafür die 88 Jahre alte Bestandstrasse von 1928 mit einem total veralteten Unterbau für weitere Jahrzehnte nutzen und elektrifizieren. Im Vergleich zu den Bädern an der Ostsee, die eine Entlastung durch Umgehung erhalten, ist das eine Katastrophe, keine Lösung. Der gravierende Schaden für Bad Schwartau, seine Bewohner und als Kurort mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen ist kaum zu ermessen und wird die Stadt als attraktiven Wohnort und Wirtschaftsstandort weit zurückwerfen.

Wesentliche Fakten dazu:

  • Der extreme Lärm, die Erschütterungen und die gefährliche Feinstaubbildung v.a. der Güterzüge lösen gesundheitliche Schäden für die Bewohner aus.  Der Epidemiologe  E. Greiser hat am „Rheinkorridor (vergleichbare Gütertrasse) bewiesen, dass die Dauerbelastung durch Bahnlärm rund um die Uhr bei Anwohnern zu einem drastischen Anstieg von „Herz- Kreislauf- Erkrankungen, Nierenproblemen, Depressionen und Psychosen führt. Für den Rheinkorridor rechnet er innerhalb der nächsten 10 Jahre mit 75.000 zusätzlichen Erkrankungen und 3000 Todesfällen“. Wer angesichts der dramatischen Gefahren des Lärms von Güterzügen noch immer „neue Bahnlinien für Güterzüge“ ungeschützt durch Orte leitet wie für Bad Schwartau vorgesehen, handelt in hohem Maße fahrlässig und verantwortungslos, weil er leichtfertig die Gesundheit der Menschen aufs Spiel setzt. Diese Erkenntnisse setzen sich bundesweit immer stärker durch und führen an anderen Orten bereits zu berechtigten Klagen vor Gericht.
  • Kaltenhof, als Stadtteil von Bad Schwartau, würde durch die extremen Schranken-schließzeiten von bis zu 45 Min je Stunde und insgesamt 14 Stunden je Tag vom Stadtkern endgültig abgetrennt. Diese langen Schließzeiten führen zu extremen PKW- Rückstaus entlang der Kaltenhöferstraße, Geibelstraße bis zum Eutiner Ring und bei Freigabe des Verkehrs zu „Verkehrsinfarkten“ in der Innenstadt Bad Schwartaus. Da es hierbei  auch um Schulwege für Schüler aus den Umlandgemeinden zu den drei Gymnasien von Bad Schwartau handelt, kommt hier ein weiteres, ernsthaftes Verkehrssicherheitsproblem auf Bad Schwartau zu.                                                       
    Die Gefahr bei „Rettungseinsätzen“ und ihre Folgen sind in allen Stellungnahmen von Bad Schwartau  bereits ausführlich dargelegt.
    Die DB hat bisher keine echte Lösung für die Bahnübergänge in Bad Schwartau angeboten.  Wie die DB ihre Zusage im ROV zur Verringerung der Schrankenschließzeiten bei  Verdoppelung der Anzahl der Züge erreichen will, ist ihr Geheimnis.
    Durch die Beschlüsse aus Berlin für Tempo 200 Km/h sind  kreuzungsfreie Lösungen in Kaltenhof, Elisabeth-Straße und zur Teerhofinsel Pflicht. Darüber hinaus sind weitere Bauwerke betroffen, die ebenfalls noch nicht in der Planung sind. So zum Beispiel zwei weitere Fußgänger-Tunnelbauwerke älteren Baujahres, welche den neuen Anforderungen wahrscheinlich nicht standhalten werden.
  • Die Güterzüge mit bis zu 835 Metern Länge lösen am Tag und in der Nacht erhebliche Erschütterungen an den Häusern in Nähe der Trasse aus, die zu nachhaltigen Schäden führen und den Wohn- und Erholungswert beeinträchtigen. Die Immobilien verlieren  schlagartig an Wert.
  • Der Kurort sowie die Kliniken und das Reha- Zentrum werden durch den Lärm  und Feinstaub erheblich  beeinträchtigt. Der Erholungswert der Rehabilitation wird für die Menschen empfindlich gestört. Die Asklepios Klinik ist mit 345 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt Bad Schwartau. Die zugehörige Holstein Therme ist als Jod Jodsolebad ein Markenzeichen unserer Stadt.  
  • Die hohe Lärmentwicklung und der Feinstaub stellen große Risiken für die Aberkennung des Markenkerns „Bad“ dar. Die Aberkennung wäre der „Supergau“ für die Stadt mit erheblichen Verlusten ( Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft, Steuereinnahmen).
  • Die Bahntrasse führt im Übrigen direkt durch das Natura 2000 Gebiet. Hier ist europäisches Naturschutzrecht betroffen.
  • Der jetzt schon bestehende „Zangengriff für Bad Schwartau von Verkehr auf der BAB und der Schiene“ wird sich durch die Feste Fehmarnbelt-Querung und die Hinterlandanbindung nochmals dramatisch verstärken. Denn der PKW und LKW Verkehr soll und wird durch den Belttunnel deutlich ansteigen. Ein Blick in den Stadtplan von Bad Schwartau zeigt diese Einschnürung durch Autobahn und Schiene.
  • Es gibt keinerlei Messungen und Aussagen über die „kumulierte Lärmentwicklung beider Verkehrswege“. Die Risiken dieser „Lärmaddition von Straße und Schiene“ tragen allein die Menschen.
  • Es ist völlig ungeklärt, welchen Lärmschutz (Lärmvorsorge nach der 16. BImSchV oder nach dem Lärmsanierungsprogramm) die DB für Bad Schwartau vorgesehen hat. Aktuelle Lärmmessungen vor Ort haben festgestellt, dass der Lärm zwar in die Höhe abgeleitet wird, sich dann aber gerade im Kurgebiet und den Kuranlagen wieder absenkt. Schallschutzmaßnahmen können den Lärm nicht bändigen und schaffen keine Abhilfe. Die DB lehnt sogar den Ersatz des total veralteten Bahnunterbaus entschieden ab, obwohl dieser zur Lärmentwicklung maßgeblich beiträgt. Auf der Strecke nach Travemünde hat der neuartige Unterbau zu einer deutliche Lärmminderung geführt.

Aus diesen vielfältigen Gründen werden die Pläne der DB  für Bad Schwartau entschieden abgelehnt und als inakzeptabel zurückgewiesen. Der Schutz der Bewohner und die Zukunftsfähigkeit Bad Schwartaus können nur durch folgende Maßnahmen erreicht werden, die hiermit nachdrücklich gefordert werden:

  1. Bad Schwartau und seine Bewohner bestehen darauf, nach dem Rechtsgrundsatz der Gleichbehandlung wie die Bäder an der Ostsee behandelt zu werden.
  2. Im Stadtgebiet von Bad Schwartau muss die Schienentrasse insgesamt tiefer gelegt, d.h. abgesenkt werden und soweit möglich eine „Deckelung“ erhalten. Dabei muss auch ein moderner, lärmmindernder Unterbau eingeplant werden. Der Bahnhof ist entsprechend anzuschließen. Diese Absenkung von Gleisen ist ein durchaus übliches Verfahren zur Reduzierung des Lärms    für Mensch und Umwelt.
  3. Für den Güterzugverkehr durch Bad Schwartau müssen verbindliche Grenzwerte im PFV festgeschrieben werden: für das Höchsttempo, für die maximale Zahl der Güterzüge, deren maximale Länge, eine angemessene Verteilung über die 24 Stunden je Tag (besonders auch wegen der Nachtruhe der an der Bahnstrecke wohnenden Menschen), sowie Regelungen bezüglich des Transports von Gefahrgütern.
  4. Für Kaltenhof und die anderen Schienenkreuzungen besteht aufgrund der Berliner Beschlüsse die Verpflichtung zum kreuzungsfreien Schienenverkehr. Bad Schwartau ist der einzige Ort in Ostholstein, dem mit dem Güterzugverkehr mitten durch den Ort erhebliche Beeinträchtigungen aus Lärm und Schmutzimmissionen zugemutet werden. Dadurch ist auch die Stadtentwicklung empfindlich negativ betroffen. Von der Stadt Bad Schwartau kann nicht ernsthaft auch noch die Finanzierung von Folgeinvestitionen des nicht gewollten und nicht zu verantwortenden Güterzugverkehrs verlangt werden.

Sollte die DB diese Vorschläge ablehnen, würde es auf Jahre zu einem Dauerstreit  kommen. Bad Schwartau würde sich dann auch die seinerzeit erhobene Forderung auf die X-Trasse offenhalten.

Sehr geehrte Minister des Bundes,
                
der Bund, das Land SH und die Bahn sollten bei diesem Jahrhundertprojekt sehr darauf bedacht sein, dass ein fairer Interessenausgleich auf allen Ebenen stattfindet. Dieser ist für Bad Schwartau z.Zt. nicht gegeben und auch nicht erkennbar, da die Stadt und ihre Menschen alle Belastungen und Nachteile ungeschützt zu tragen haben. Bei Abwägung stellt der Vorschlag zur Absenkung der Gleise in Bad Schwartau eine Befriedung der Hauptforderungen der Menschen nach Abmilderung des extremen Lärms dar.  Die Stadt würde in ihrer Fortentwicklung nicht behindert. Die notwendigen Investitionen liegen ganz wesentlich unter denen einer Umgehungstrasse und sind  volkswirtschaftlich zu vertreten.
Wir bitten Sie eindringlich, sich für eine Tieferlegung der Bahngleise zum Schutz der Menschen in Bad Schwartau vor Lärm und anderen Beeinträchtigungen einzusetzen.

Bad Schwartau, den 08.11.16
Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Vloth___________________________________________________________________
Interessengemeinschaft Elisabethstraße (IE)

Joachim Ludewig_________________________________________________________________
Haus&Grund Bad Schwartau e.V.

Jörg Schneider___________________________________________________________________
Ruschkowski Sanitär Heizung e.K.

Stefan Meiser_______  ___________________________________________________________
Asklepios Klinik am Kurpark und Holstein Therme

Hans-Joachim Koschinske __________________________________________________________
Verein zum Schutz von Umwelt und Wohnqualität e.V.

Gerd Radisch____________________________________________________________________
Bürgerinitiative gegen die Verstopfung der Schwartauer Innenstadt (Big-VSI)

Meike Vogel_____________________________________________________________________
Bad Schwartauer Kreuz-Ritter (SKR) + Mitglied Runder Tisch Süd 2

 

VeSUW e.V.

Verein zum Schutz von Umwelt- und Wohnqualität e.V.

Sandstraße 25-27

23552 Lübeck

info@vesuw.de

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